
Der Alfa Romeo Junior und der Fiat 600 sind ungleiche Geschwister aus dem Stellantis-Konzern. Beide Fahrzeuge teilen sich die e-CMP- Plattform und nutzen unter anderem einen Mildhybrid-Antrieb. Das Konzept ist allerdings unterschiedlich. Entsprechend des Markenimages ist der Alfa Romeo Junior sportlich und dynamisch, während der Fiat 600 eher komfortabel und alltagstauglich ausgelegt ist. Natürlich offenbaren sich die Unterschiede auch im Blick auf das Design sowie die Ausstattung, den Preis und nicht zuletzt die Emotionalität.
Ein reiner Vergleich der Eckdaten zeigt, wie nah der Alfa Romeo Junior und der Fiat 600 in ihren Werten beieinander liegen. Der Fiat 600 bietet als Benziner einen noch kleineren Motor, zudem stammt die (elektrische) Topmotorisierung aus dem Hause Abarth und war lediglich über einen kurzen Zeitraum limitiert erhältlich. Dynamik und Laderaum fallen jedoch leicht zugunsten des Alfa aus, der allerdings auch ein gutes Stück teurer ist.
Merkmal | Alfa Romeo Junior | Fiat 600 |
Fahrzeugklasse | Crossover-SUV (B-Segment) | Crossover-SUV (B-Segment) |
Plattform | e-CMP | e-CMP |
Motorisierung | Elektro / Hybrid | Elektro / Hybrid / Benziner |
Antrieb | Frontantrieb / Allradantrieb | Frontantrieb |
Leistung | 145 – 280 PS | 100 – 280 PS |
Beschleunigung | 5,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h | 5,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h |
Höchstgeschwindigkeit | 206 km/h | 200 km/h |
Verbrauch | min. 4,8 l oder 15,5 kWh / 100 km | min. 4,5 l oder 15,1 kWh / 100 km |
Getriebe | 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe oder Eingang-Getriebe (Elektro) | 6-Gang-Schaltgetriebe oder Doppelkupplungsgetriebe oder Eingang-Getriebe (Elektro) |
Kofferraum | 400 – 1.280 l | 360 – 1.256 l |
Abmessungen | 4.173 × 1.781 × 1.533 mm | 4.171 × 1.779 × 1.523 mm |
Anhängelast | max. 1.100 kg. | max. 1.100 kg. |
Listenpreis | ab ca. 30.450 € | ab ca. 25.490 € |
Dieselbe Plattform und fast dieselben Abmessungen führen beim Alfa Romeo Junior und dem Fiat 600 zu unterschiedlichen Ergebnissen.
Der Alfa Romeo Junior präsentiert den klassischen Scudetto in Wappenform an der Front und stellt sich damit in die italienische Sportwagentradition. Die LED-Scheinwerfer rahmen den Grill ein und sind schmal geschnitten. Auffällig ist die Segmentierung in drei linienförmige Elemente. Unter den Scheinwerfern befinden sich große Lufteinlässe.
Der Fiat 600 hingegen, ähnelt ein wenig seinem kleinen Bruder, dem Fiat 500. Die Scheinwerfer sind rund und zeigen einen freundlichen Blick, die Front wird von einem schmalen Grill mit einer großen 600 gestaltet. Unübersehbar ist der Retrofaktor.
Ein ähnliches Bild zeigt sich in der Seitenansicht und am Heck. Auf der einen Seite der Alfa Romeo Junior: sportlich, dynamisch und ganz im Stile eines Coupés. Die Überhänge sind kurz, während der Fiat 600 mehr Fensterflächen zeigt und einen familienfreundlicheren Eindruck vermittelt. Am Heck wird der Gegensatz sportlich versus komfortabel noch deutlicher: beim Alfa Romeo Junior ist das Heck abgeschnitten, was beim Hersteller seit eh und je als Coda Tronca bezeichnet wird. Der Fiat wirkt hier weicher und zurückhaltender.
Wer auffallen möchte, liegt mit dem Alfa Romeo Junior goldrichtig. Dieses Auto passt zu sportlichen Fahrer:innen und natürlich zu echten „Alfisti“. Hochwertig wirken beide Modelle – vielleicht hat hier sogar der Fiat 600 aufgrund seines vielen Chroms in der Ausstattung La Prima die Nase leicht vorn. Dieses Modell ist perfekt für Familien.
Im Innenraum bedienen sich sowohl Alfa Romeo als auch Fiat aus demselben Baukasten. Dennoch ist der Sitzkomfort nicht vergleichbar und beim Junior sportlich mit tiefer Position und ausgeprägtem Seitenhalt. Wer möchte, bucht dieses Modell mit Sportsitzen und blickt hinter dem Steuer auf ein digitales, auf die Fahrer:innen zentriertes Cockpit.
Der Fiat 600 ist in den Sitzen nicht so straff und bietet zudem eine erhöhte Sitzposition. Dies steigert den Komfort und macht das Ein- und Aussteigen leichter. Zudem sitzt es sich in diesem Modell entspannter, was auf der Langstrecke einen Pluspunkt bedeutet.
In puncto Platzangebot und Bein- und Kopffreiheit gleichen sich die beiden Autos, wenngleich der Fiat 600 geräumiger wirkt, was auch an der Sitzposition und den größeren Fenstern liegt. Aus diesem Grund greifen Familien eher zum Fiat, Auto-Aficionados eher zum Alfa.
Das Infotainment ist bei beiden Fahrzeugen gleich mit digitalen Cockpit und 10,25 Zoll großem Touchdisplay, doch auch hier setzt der Junior auf Sportlichkeit und beim Cockpit eine leichte Neigung in Richtung Fahrer:innen-Sitz, während Fiat klarer und übersichtlicher agiert.
Unter der Motorhaube nutzen sowohl der Alfa Romeo Junior als auch der Fiat 600 einen 1,2 Liter- Dreizylinder mit Turbolader und maximal 145 PS. Identisch ist auch das Sechs-Gang-Doppelkupplungsgetriebe und die Nutzung des 48-Volt-Bordnetzes. Die Wege teilen sich allerdings in der Feinabstimmung und Aspekten wie der Gasannahme (Alfa Romeo: direkter, Fiat: zurückhaltender) oder dem Getriebe mit höherem Schaltpunkt beim Alfa Romeo. Vereinfacht gesagt, lässt es der Fiat 600 entspannter angehen, während der Junior richtig zupackt. Die Fahrleistungen sind jedoch identisch. Welches Modell sich besser fährt, ist schwer zu sagen, denn das ist Geschmackssache. Wer Lust auf ein knackiges Fahrgefühl hat, steigt in den Alfa Romeo, auf der Langstrecke könnte der Fiat 600 aber mit mehr Komfort punkten.
Bei den Kosten sind die Unterschiede zwischen dem Alfa Romeo Junior und dem Fiat 600 womöglich am deutlichsten. Aufgrund der sportlicheren Abstimmung verbraucht der Alfa etwas mehr – sowohl auf der Autobahn als auch im Stadtverkehr. Der Grund liegt in den höheren Schaltpunkte, d.h. darin, dass etwa hochtouriger gefahren wird. Dies macht jedoch nicht mehr als rund 0,2 l/100 km aus.
Zur Versicherung lässt sich naturgemäß keine pauschale Aussage treffen. Meist wird der Alfa Romeo jedoch in einer etwas höheren Typklasse eingeordnet und ist daher teurer. Bei Wartung und Inspektion bedeutet gleiche Technik auch gleiche Kosten – mit einer Ausnahme. Der Alfa Romeo fährt oft mit 18 Zoll- Reifen, der Fiat mit 16- oder 17-Zöllern und das ist günstiger. Wertstabiler ist der Alfa Romeo, günstiger der Fiat – sowohl in der Anschaffung als auch bei der Leasingrate.
Ein Blick auf die Ausstattung offenbart einen der Gründe für den Kostenunterschied. Der Alfa Romeo Junior versteht sich als Premium-Fahrzeug, der Fiat 600 als Alltagsbegleiter. In vielen Aspekten fahren die beiden Geschwister gleichauf, der Junior bietet aber einen adaptiven Tempomat im Serienumfang, eine bessere Ambientebeleuchtung und in mehr Ausstattungslinien eine Navigation. Auch lassen sich Features wie ein Sportlenkrad und Alu-Pedalerie einbauen. Bei den Extras ist Fiat auf Augenhöhe, allerdings ist die Anmutung beim Alfa Romeo einfach edler. Ob sich der Aufpreis hierfür lohnt, ist eine individuelle Entscheidung.
Der Vergleich zeigt, dass beide Italiener „Bella Figura“ machen.
Der Alfa Romeo Junior eignet sich für:
kurzum: ein Auto fürs Herz.
Der Fiat 600 bietet dafür
und ist somit eher ein Auto für den Verstand.

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